…Eckhard Eilers, kommissarischer Vorsitzender der Steuerungsgruppe Fairtrade-Region Wittlager Land und Anna Becker, Regionalmanagerin Integrierte Ländliche Entwicklung Wittlager Land

Frau Becker und Herr Eilers, die Region Wittlager Land hat sich zum Ziel gesetzt, „Fairtrade-Region“ zu werden. Was bedeutet das?

Wie eine Fairtrade-Town oder -Gemeinde fördert eine Fairtrade-Region den Fairen Handel auf kommunaler Ebene und ist das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich für den Fairen Handel stark machen. Auch auf der ländlichen Ebene soll der faire Handel in allen gesellschaftlichen Bereichen eine wichtige Rolle spielen, zunehmend auch bei der öffentlichen Beschaffung, also in den Verwaltungen, Schulen und Vereinen.

Wie kam es zu dem Entschluss? Welche Städte und Gemeinden sind mit im Boot?

Die Region Wittlager Land ist ein auf langjähriger Zusammenarbeit beruhender Zusammenschluss der drei Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln im Landkreis Osnabrück. Das Wittlager Land ist in der Förderperiode 2007 – 2013 als ILE-Region anerkannt worden und nach der ILEK-Fortschreibung 2014 auch in der aktuellen Förderperiode 2014 – 2020 wieder als ILE-Region zugelassen. ILE steht für Integrierte Ländliche Entwicklung und ist ein Instrument, mit dem die Europäische Union und das Land Niedersachsen die Entwicklung des ländlichen Raums unterstützen – dezentral, vor Ort und in Zusammenarbeit mit den Einwohnerinnen und Einwohnern. Im Rahmen der ILEK-entstand die Idee, die schon aktiven lokalen Initiativen des fairen Handels in Kirchengemeinde, Vereinen und Initiativen zu vernetzen. Anfang 2018 haben schließlich alle Gemeinden der Mitwirkung in der Fairtrade-Region Wittlager Land zugestimmt.

Wie wollen sie das Ziel erreichen?

Wir haben im Frühjahr 2018 eine Steuerungsgruppe gegründet, in der die Gemeinden und ihre engagierten Gruppen, aber auch Einzelpersonen vertreten sind. Hier geht es darum, das Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen zu fördern bzw. aufzubauen und Gewerbetreibende zu motivieren, fair gehandelte Produkte ins Sortiment aufzunehmen. Natürlich müssen wir die Auflagen von Fairtrade Deutschland erfüllen, um möglichst im Herbst 2018 die Anerkennung als Fairtrade-Region zu erhalten. Das ist ein „sportliches“ Ziel. Da Bad Essen seit Oktober 2017 als Fairtrade-Gemeinde anerkannt ist, profitieren wir von den Erfahrungen der dortigen Steuerungsgruppe und arbeiten eng zusammen.

Welche Auflagen gibt es?

Die Auflagen für eine Region sind vergleichbar mit denen für eine Fairtrade-Town. In unserem Fall müssen wir mindestens acht Einzelhandels- betriebe, vier Gastronomiebetriebe sowie jeweils eine Schule, einen Verein und eine Kirchengemeinde zum Mitmachen motivieren. Diese sollen dann ein kleines Sortiment an fair gehandelten Produkten bzw. Bildungsangeboten nachweisen. Das sollte hier in der Region kein Problem sein.

Wie stellen Sie sicher, dass diese Auflagen langfristig erfüllt bleiben?

Wie so häufig im Leben heißt es: Im Gespräch bleiben, Mitmach-Aktionen und Fortbildungen anbieten und die Idee des gerechten Handels vor Ort anbieten. Und natürlich können wir auch Anregungen geben, wie das faire Angebot erweitert werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!